Leise lohnt sich

Sie sind treue Begleiter im Alltag: unsere Kopfhörer. Ob in der Straßenbahn, im Bus, auf dem Fahrrad oder beim Sport – überall hören wir Musik, Hörspiele oder Sprachnachrichten. Das ist praktisch. Kann aber leider auch gefährlich sein. „Zu laute Musik schadet den Ohren“, sagt Prof. Dr. Holger Sudhoff. Als Hals-Nasen-Ohren-Arzt muss er es wissen.

Lange Zeit gingen Mediziner davon aus, dass nur Gefahr für die Ohren besteht, weil laute Musik, besonders aus Kopfhörern, die äußeren Haarzellen in der Hörschnecke schädigt. Jetzt aber haben Versuche gezeigt, dass relativ geringe Mengen Lärm sogar schon an anderer Stelle Schaden anrichten können. Nämlich direkt am Hörnerv. Er verbindet das Innenohr mit dem Gehirn.

Würden wir nur ab und zu unser Gehör mit lauterer Musik aus dem Kopfhörer überstrapazieren, wäre das nicht unbedingt schädlich. Aber mal ehrlich: Ab und zu ist doch bei den meisten von uns total untertrieben. Beispiel Fitnessstudio: Wenn es auf dem Crosstrainer an die letzten Minuten geht, pusht ein ordentlich wummernder Beat nochmal so richtig. Oder Beispiel Straßenbahn: Um einen herum sitzen lauter komische Typen, die dumme Sprüche lassen. Schnell mal die Lautstärke am Smartphone aufgedreht, schon geht es einem besser und man muss das Gerede nicht länger ertragen. Doof nur: Dieses Verhalten führt dazu, dass man, wenn man älter ist, vielleicht gar kein Gerede mehr ertragen kann – weil man wegen der lauten Musik nämlich schwerhörig geworden ist. Was also tun?

Auch wenn es nicht cool klingt: am besten häufiger auf Kopfhörer verzichten. Es muss ja nicht gerade beim Sport sein. Aber wenn man zu Fuß in der City unterwegs ist, sollte es auch mal ohne gehen. Und auch mit Bus und Bahn lässt sich hin und wieder ohne fahren.

Wer aber gar nicht ohne permanente Musikbegleitung leben will, sollte zwingend die Lautstärke im Auge behalten. Im wahrsten Sinne des Wortes. Auf dem iPhone etwa gibt es eine Lautstärkenanzeige mit einer Farbskala, die zu sehen ist, wenn Kopfhörer angeschlossen sind. Hier ist der weiße Bereich der unbedenklichste, gelb ist schon zu laut, rot ist viel zu laut.

Zu laut bedeutet, dass 85 Dezibel überschritten sind. Das ist fast so wie ein Presslufthammer in sieben Metern Entfernung. Besser ist also, wenn die Lautstärke deutlich darunter bleibt. Aus diesem Grund gibt es eine EU-Richtlinie, die besagt, dass tragbare Audiogeräte standardmäßig die maximale Lautstärke von 85 Dezibel vorgeben sollten. Allerdings kann der Nutzer die Lautstärke dann trotzdem auf bis zu 100 Dezibel erhöhen. In diesem roten Bereich sollte man allerdings möglichst nie Musik hören!

Leider ist die Lautstärke nicht das einzige Problem, das Kopfhörer mit sich bringen. Sie bergen auch eine gewisse Infektionsgefahr. Wir werfen sie in den Rucksack, tragen sie in der Jacken- oder Hosentasche oder legen sie im Café auf dem Tisch ab. An all diesen Plätzen nehmen die Kopfhörer Schmutz auf, den wir uns dann mit ihnen in die Ohren stecken. Zusammen mit unserem eigenen Dreck wie etwa Ohrenschmalz, der meist kaum sichtbar bis tief in die Kopfhörer eindringen kann. Darum ist es ratsam, seine Hörer einmal pro Woche mit einem milden Desinfektionsmittel vorsichtig zu reinigen. Außerdem hilft es, sie vor dem Benutzen ordentlich auszupusten. Das kann sich übrigens auch positiv auf den Klang auswirken.