Die Haut – Spiegel der Seele

Haut spricht ihre eigene Sprache: Sie ist sensibel und reagiert nicht nur auf äußere Reize – sondern horcht auch aufs Körperinnere. Sie teilt sich mit.

Klausuren- oder Arbeitsstress, Zoff mit dem Partner oder Zukunftsängste – all das kann uns ganz schön stressen und belasten. Und nicht selten stellt der ein oder andere fest, dass gerade in solchen Zeiten die Augenringe viel dunkler sind, Pickel sich auf der Stirn und am Kinn verstärkt auftun und das gesamte Hautbild fahl erscheint. „Wie alle Organe reagiert die Haut auf Stress jedweder Art. Insofern kann man jemandem seine Stimmung oft ansehen“, erklärt Prof. Dr. med. Christoph Abels, Dermatologe und medizinischer Direktor bei Arznei- und Kosmetikhersteller Dr. August Wolff aus Bielefeld. Man kennt die Redewendungen: „Blass um die Nase sein“, „Sich nicht wohl in seiner Haut fühlen“, „Das juckt mich nicht“, „Ins Schwitzen kommen“ oder „Das geht unter die Haut“. Sie alle geben Hinweise darauf, dass die Haut auf intensive Gemütsbewegungen reagiert: Furcht, Erregung oder emotionale Berührung lösen Gänsehaut aus, Scham und Wut lassen uns erröten, Angst lässt uns erbleichen und Aufregung bringt uns ins Schwitzen. „Erröten oder erbleichen sind sicher die extremsten Formen von Gefühlsäußerungen, die man an der Haut ablesen kann“, fügt Abels hinzu.

WECHSELSPIEL VON HAUT UND SEELE

„In den vergangenen 20 Jahren hat die Forschung gezeigt, dass die Haut über ein eigenes neuroendokrines System verfügt“, sagt Abels. „Das heißt sowohl über sensorische Nervenfasern, die bis in die obersten lebenden Hautschichten reichen, als auch über Rezeptoren für Hormone, die entweder im Körper oder in der Oberhaut selber gebildet werden.“ Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass es ein Wechselspiel zwischen Haut und Seele geben könnte. „Man kann zwar keine kausale Beziehung zwischen den beiden belegen, allerdings spielt die Seele eindeutig eine wichtige Rolle.“ Neben Reaktionen wie Erröten oder Erbleichen kann die Haut aber auch andere Reaktionen zeigen, zum Beispiel Unverträglichkeitsreaktionen bei bestehenden Hauterkrankungen. Akne, Herpes, Hautschuppenflechte (Rosazea) oder Neurodermitis sind zum Beispiel Hauterkrankungen, die nachweislich auftreten und sich verschlechtern können, wenn ein Betroffener seelische Belastung empfindet. „Es gibt aber keine einheitlichen Reaktionen“, sagt Abels. „Emotionaler Stress, also Gedanken und Gefühle, ob positiv oder negativ, können sowohl zur Verbesserung als auch zur Verschlechterung einer Hauterkrankung führen.“

AUSLÖSER ERKENNEN

Wie aber reagieren, wenn emotionaler Stress auf der Seele lastet und sich das Hautbild merklich verschlechtert? „Das kommt auf den Hauttyp und die genetische Veranlagung an“, sagt Abels. Die richtige Hautpflege, also Produkte, die auf die zugrundeliegenden Hautveränderungen abgestimmt sind, können schon helfen. „Wer Anzeichen bei sich beobachtet, sollte aber auch immer Rücksprache mit dem Hautarzt halten und versuchen, vermeintliche Auslöser zu meiden.“ Bei andauernder Stressbelastung können auch psychotherapeutische Techniken helfen, um eine Abwärtsspirale zu verhindern, seelische Spannungen zu lösen und damit auch die Hauterkrankung zu lindern.

MEHR ALS NUR EINE HÜLLE

„Wir unterschätzen unsere Haut oft viel zu sehr“, sagt Abels. „Sie ist ein Barriere-Organ, das uns nicht nur vor Umwelteinflüssen schützt, sondern auch Stoffwechselprodukte bildet, wie zum Beispiel Vitamin D. Sie spielt aber auch eine sehr wichtige Rolle in der Kommunikation mit unseren Mitmenschen.“ Als ein wichtiges Sinnesorgan reagiert sie auf Berührungen und sie kommuniziert nach außen. Damit wird sie für so manche Stimmung und Empfindung sprichwörtlich zum Spiegel.