Aus der Region – oder gemogelt?

Oatmeal with pear and almonds in the bowl

Regional ist in. Heimische Lebensmittel vermitteln ein Gefühl von gut und gesund – schließlich könnten sie ja vom Acker nebenan stammen. Und das wäre fast wie Eigenanbau. Dabei werden sie aber oft einfach als regional beworben, obwohl sie es gar nicht sind.

Neulich noch musste alles Essbare unbedingt bio sein. Schadstofffrei und gesund. Jetzt heißt das Zauberwort allerdings regional, was irgendwie ein ähnliches Gefühl von gesundem Essen erzeugt. Plötzlich ist es also nicht mehr egal, ob die Bio-Tomate aus Übersee stammt, jetzt muss es Deutschland sein, was allein aus ökologischer Sicht ja sogar sinnvoll ist. Am besten sollte sie aber sogar auf dem Acker um die Ecke gewachsen sein. Eine Umfrage der Verbraucherzentralen ergab jüngst, dass mehr als 50 Prozent der Kunden regionale Lebensmittel bevorzugen, rund 75 Prozent von ihnen sind sogar bereit, für regionale Lebensmittel mehr zu zahlen.

MARKE EIGENANBAU

Noch dazu geht der Trend aber auch ganz klar wieder in Richtung Eigenanbau, was in Städten heutzutage Urban Gardening heißt. Ackerflächen in unmittelbarer Stadtnähe werden bewirtschaftet, aber auch in Gärten und auf Balkonen – sogar auf Grünstreifen in der Mitte von breiten Straßen – wird gezüchtet. Wer sich dabei nicht zu ungeschickt anstellt, kann dann Obst und Gemüse aus eigener Ernte genießen. Experten vermuten dahinter einen Gegentrend zur Globalisierung: Weil alles immer größer und unüberschaubarer wird, sehnt der Mensch sich nach Verlässlichkeit. Im Fall der Lebensmittel bedeutet das aber auch: kurze Transportwege zum Handel und damit auch zu den Verbrauchern, klimaschonend einkaufen, regional spezifische Verarbeitungsverfahren und Rezepturen.

Außerdem werden damit Arbeitsplätze vor Ort erhalten und vielleicht sogar geschaffen. Laut Verbraucherzentrale wollen 88 Prozent der Konsumenten mit regionalen Einkäufen die Wirtschaft vor Ort stärken, auf Umweltschutz hoffen 72 Prozent und zwei Drittel glauben, regionale Ware sei frischer. Das sind alles edle und wichtige Motive. Einziger Wermutstropfen: Es gibt schwarze Schafe, die Lebensmittel als regional deklarieren, obwohl sie es nicht sind – die beispielsweise nur in einer bestimmten Region verpackt wurden.

VERWIRRENDE WERBUNG

Inzwischen gibt es eine nahezu unüberschaubare Vielfalt an Begriffen oder Logos, die zwar Regionalität suggerieren, die regionale Herkunft aber nicht eindeutig ausweisen. Trotzdem kosten die so beworbenen Produkte meist mehr als neutral gehaltene Lebensmittel. So kann ein simples „von hier“ in ländlich romantischem Look designt schon einen Preisunterschied ausmachen – guckt der Konsument sich die Verpackung genauer an, stellt er bisweilen aber fest, dass zum Beispiel lediglich ein Gewürz von einem Acker aus der Region stammt. Und das ist laut Markengesetz (MarkenG, § 126 ff) sogar erlaubt. Hersteller dürfen Herkunftsangaben als eigenständige Marke registrieren und schützen lassen. Das kann für das entsprechende Lebensmittel dann zum Beispiel bedeuten, dass es nach einem Bochumer, Lübecker oder Rostocker Rezept hergestellt wurde – muss aber nichts über die Herkunft der Rohstoffe oder die Verarbeitung vor Ort aussagen. So kann eine Marmelade mit dem (fiktiven) Namen Bochumer Erdbeertraum mit Erdbeeren aus Frankfurt in Bochum oder sogar Dresden produziert werden.

Verbraucherschützer fordern darum schon lange, rechtsverbindliche Kriterien für die Kennzeichnung regionaler Lebensmittel und deren Werbung. Ihrer Meinung nach sind unabhängige Kontrollen bei der Siegelvergabe die einzige Möglichkeit, Verbrauchern die Sicherheit zu geben, die der Begriff „regional“ oft nur vorgaukelt und um die höheren Preise zu rechtfertigen. Produkte, die mit regionaler Herkunft beworben werden, sollten darum mindestens zu 95 Prozent aus regionalen Zutaten bestehen.

SO ERKENNT MAN REGIONALE LEBENSMITTEL

Der Eiercode – Jedes Ei hat mittlerweile einen Stempel, der nach folgendem Schema aufgebaut ist: x-DE-05xxxx. Die Nummer 05 ist darauf zum Beispiel das Zeichen für Eier aus NRW. Der Verpacker steht dazu mit Adresse auf dem Karton.

Die g.U.-Kennzeichnung – Bei Lebensmitteln mit dem Hinweis geschützter Ursprung stammen die Rohstoffe aus der Region und wurden auch dort verarbeitet.

Regionale Kennzeichnung – Ist eine Region konkret gekennzeichnet, ist alles in Ordnung. Lebensmittel mit Bezeichnungen wie Niederrhein, Rheinland oder Münsterland stammen von dort. Achtung hingegen bei folgenden Hinweisen:

Das Identitätskennzeichen – Steht zum Beispiel ein Code mit dem Aufbau D NW xxx auf einem Produkt, bedeutet das nur, dass die letzte Verarbeitungsstufe in NRW (abgekürzt NW) war.

Werbehinweise – Steht nur „aus der Region“ drauf, kann das stimmen, muss aber nicht.