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Wenn es unerwartet juckt

Der Sommer ist vorbei, der Heuschnupfen also auch? Keineswegs. Heuschnupfen und Pollenallergien beschränken sich nicht nur auf Frühling und Sommer. Eine Expertin erklärt, wie mit allergischen Reaktionen umzugehen ist.

Wo vor ein paar Wochen noch schwitzende Körper die Wiesen in den Parks und Freibädern säumten, liegen nun herbstlich bunte Blätter. Die Wettervorhersage prophezeit Kälte und Nässe. Der Sommer ist vorbei, in ganz Deutschland herrscht der Herbst. In ganz Deutschland? Nein! Die laufenden Nasen und juckenden Augen einiger weniger Allergiker leisten erbitterten Widerstand und reagieren, als sei gerade Frühling. Wie kann das sein?
„Die meisten vom Heuschnupfen Betroffenen bei uns sind gegen frühblühende Bäume und Gräser allergisch“, sagt Dr. Elke Jordan, Fachbereichsleiterin der Pneumologie am Klinikum Herford. Das bedeute jedoch nicht, dass nur im Frühjahr und Sommer Pollen fliegen. Die Lungenspezialistin erklärt, dass Frühblüher wie Erle und Hasel häufig schon im Januar loslegen: „Vor zwei Jahren konnten wir sogar schon im Dezember Symptome beobachten. Das war ein unglaublich warmer Winter“, sagt Jordan. Der nervige Heuschnupfen kann also tatsächlich ein ganzjähriges Problem sein.

Patienten, die gegen Gräser allergisch sind, hätten besonders im April und Mai zu leiden, im Spätsommer und Herbst sei normalerweise Ruhe. Generell aber gilt: je wärmer der Winter, desto mehr Pollenflug in den eigentlich kalten Jahreszeiten. Ob dieses Phänomen mit dem Klimawandel zusammenhängt, will Jordan so aber nicht bestätigen: „Milde Winter hat es immer mal gegeben. Dass es dann häufiger Symptome gibt, ist klar. Das will ich so nicht dem Klimawandel in die Schuhe schieben.“

 

Eine wichtige Rolle für den Pollenflug spielen hingegen Temperatur, Niederschläge und Sonneneinstrahlung. Unter normalen Umständen ist die Heuschnupfenzeit darum im Herbst vorbei. Wem tatsächlich aber jetzt noch die Nase läuft, der könnte zum Beispiel gegen ausländische Baumarten allergisch sein, die nach Deutschland eingeführt wurden. „Dazu gehören unter anderem Esche, Erle und Birke“, sagt Jordan. „Und die Esche blüht auch im Winter.“ Allergikern, die derzeit Beschwerden haben, rät sie deshalb zum Blick auf den Pollenflugkalender. „Dort stehen täglich Meldungen, welche Pollen gerade in welcher Intensität wo fliegen“, sagt die Expertin. Außerdem rät sie Allergikern, sich eine App herunterzuladen, die den Pollenflug aktuell anzeigt. Populär sind beispielsweise der Pollenflug-Gefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes, die Pollenflug-Vorhersage der Hexal AG oder der Pollen-Radar von Ratiopharm.

Ein weiterer Grund für eine unerwartete allergische Reaktion in kalten Jahreszeiten kann aber auch einfach eine neue Allergie sein. Denn Allergien verändern sich im Laufe unseres Lebens. „Sie können außerdem verlernt werden oder Menschen können sich gegen neue Erreger sensibilisieren. Eine gewisse Veranlagung bleibt jedoch“, sagt Jordan. Tatsächlich sei die Allergologie ein noch nicht endgültig erforschtes Feld. Es gebe viele Studien und Theorien, die sich widersprechen, regelmäßig kommen neue Medikamente auf den Markt. „Wer feststellt, dass er überraschend auf bisher unbekannte Erreger reagiert, sollte auf keinen Fall versuchen, sich durch ein wiederholtes Aussetzen dieser Stoffe abzuhärten, sondern die Erreger konsequent meiden“, sagt Jordan. Im Zweifel lohne sich immer ein Gang zum Allergologen, um mit einem Allergietest die eigene Sensibilität überprüfen zu lassen.