Dicke Diätlügen

Die Jeans kneift, das T-Shirt spannt und die gewünschte Bikini-Figur scheint unerreichbar? Wie schön wäre es jetzt, wenn ihr ohne Anstrengung und Verzicht endlich euer Idealgewicht erreichen könntet. Noch besser: Wenn ihr über Nacht quasi im Schlaf schlank werden könntet. Im Netz kursieren die wildesten Tipps, mit denen das Abnehmen kinderleicht sein soll. Doch Vorsicht: Häufig entpuppen sich diese Ratschläge als Schwindel – und lassen die Fettpölsterchen an Bauch und Hüften schnell wieder wachsen. Oder noch schlimmer: Sie sind vollkommen ungesund. Wir räumen mit den dicksten Diätlügen auf:

Diätlüge Nummer 1: Light-Produkte sparen Kalorien

Fettarmer Käse, Diät-Limonade oder süße und salzige Light-Snacks: Produkte, die weniger Fett oder weniger Zucker enthalten, sind in den Supermarktregalen häufig vertreten. Ihre Bezeichnungen täuschen vor, dass jeder, der abnehmen möchte, mit dem Verzehr der Light-Produkte Kilos verliert, ohne hungern zu müssen. Falsch. Ja, die Produkte haben weniger Kalorien. Aber sie sättigen auch schlechter. Ihr müsst also mehr davon essen, um euer Hungergefühl zu vertreiben. Außerdem liefern fettarme Produkte zwar weniger Fett, aber damit sie trotzdem schmecken, geben die Hersteller gerne mehr Zucker dazu. Die Kalorienmenge bleibt also gleich. Lest euch am besten genau durch, welche Inhaltsstoffe auf der Verpackung aufgelistet werden und welche Kalorienmenge angegeben ist. Dann zeigt sich schnell, dass ein vermeintliches Light-Produkt immer noch ziemlich viel Energie liefert.

 

Diätlüge Nummer 2: Eine Mahlzeit weniger am Tag lässt die Pfunde purzeln

Es ist einer der vermeintlichen Geheimtipps: Wer eine Mahlzeit weglässt, zum Beispiel das Abendessen, spart Kalorien und nimmt ab. Das ist Quatsch. Auch wenn diese Methode sehr einfach umzusetzen ist, hat sie in der Praxis doch einige Nachteile. Wenn ihr mittags oder am späten Nachmittag eure letzte Mahlzeit des Tages zu euch nehmt, ist unruhiger Schlaf in der Nacht vorprogrammiert, weil euch der Hunger plagt. Dann kann es auch schnell zu Heißhungerattacken kommen – bei denen deutlich mehr Kalorien aufgenommen werden, als dem Körper guttun. Und wenn der Hunger schon abends oder nachts da ist, ist er vielleicht am nächsten Morgen noch größer, sodass euer Frühstück opulenter als sonst ausfällt. Dann habt ihr die Kalorien schnell wieder drin. Dasselbe gilt fürs Frühstück. Esst ihr morgens ein selbstgemischtes Müsli mit Obst oder eine Scheibe Vollkornbrot, überkommt euch keine Heißhungerattacke kurz vor Mittag. Wenn ihr die Pfunde purzeln lassen wollt, kommt es darauf an, was ihr über den gesamten Tag verteilt zu euch nehmt und wie viel ihr euch bewegt – und nicht darauf, wann ihr wie viel esst.

 

Diätlüge Nummer 3: Die Hälfte essen – die Hälfte an Gewicht verlieren

Kilos verlieren, indem ihr nur noch die Hälfte eurer Mahlzeiten esst, ganz ohne Kalorienzählen? Klingt einfach und praktikabel. Das ist FdH (Friss die Hälfte) auch. Und abnehmen könnt ihr damit auch. Allerdings nicht auf gesunde Art und Weise. Denn: Wer seine Mahlzeiten halbiert, nimmt auch nur die Hälfte der Vitamine und Ballaststoffe zu sich. Außerdem bleiben bei FdH schlechte Essgewohnheiten bestehen. Wer morgens nur einen Marmeladentoast statt zwei Scheiben isst, mittags eine halbe statt einer ganzen Pizza zu sich nimmt und abends nur eine kleine Portion Pasta, isst zwar weniger, aber immer noch unausgewogen. Besonders während einer Diät solltet ihr gewährleisten, dass euer Körper mit allen wichtigen Stoffen ausreichend versorgt ist.

 

Diätlüge Nummer 4: Diät-Pillen sind Wundermittel

Regelmäßig eine Tablette oder Kapsel schlucken, um abzunehmen? Vorsicht! Das kann nach hinten losgehen! Bestellt euch auf keinen Fall Medikamente aus dem Internet! Diese können obskure Inhaltsstoffe haben, die in Deutschland nicht einmal zugelassen sind. Aber auch hier zugelassene Appetitzügler können gefährlich sein. Sie können entwässern und damit die Nieren schädigen. Oder sie führen ab, was schlecht für den Darm ist. Studien haben zwar gezeigt, dass man mit Appetitzüglern teilweise erfolgreich abnehmen kann. Allerdings ist für diesen Effekt eine relativ hohe Dosis nötig. Das kann nicht nur teuer werden, sondern dadurch können auch starke Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwindel, Durchfall oder Kopfschmerzen auftreten. Und zu Enzymen aus Früchten, Artischocken- extrakt, Apfelessig und Fett-weg-Tees, die überschüssige Nahrungsfette binden und unverdaut ausscheiden sollen: Sie schaden nicht, machen aber auch nicht schlank.

 

Diätlüge Nummer 5: Schnell abnehmen durch den Verzicht auf Fett

Wer auf Fett in Lebensmitteln verzichtet, nimmt ab. Auch hierbei gilt: Vorsicht! Die Verteufelung von Fett kann schlimme Folgen haben. Absoluter Fettverzicht kann sogar tödlich sein, weil der Körper Fettsäuren unbedingt für den Stoffwechsel braucht. Aber auch wenn ihr euren Fettkonsum stark einschränkt, lebt ihr gefährlich. Wer zu wenig Fett zu sich nimmt, riskiert Gallenprobleme. Mindestens 20 Prozent der Gesamtenergiezufuhr pro Tag sollten Fett sein.

 

Diätlüge Nummer 6: Wer sich zuckerfrei ernährt, kann kaum zunehmen

Viele sind davon überzeugt, spielerisch abzunehmen, wenn sie den Zucker aus ihrer Ernährung verbannen. Keinen Zucker mehr im Kaffee, keine Süßigkeiten mehr am Abend vor dem Fernseher und keine süßen Limonaden mehr zwischendurch. Doch so einfach ist das leider nicht. Niemand kann sich zuckerfrei ernähren. Denn Stärke, die der Körper in Zucker umwandelt, ist in vielen Lebensmitteln enthalten, etwa in Brot, Kartoffeln und Getreide. Ganz auf Zucker zu verzichten, wäre zudem sehr gefährlich, da er der wichtigste Energielieferant für unser Gehirn ist. Und wenn ihr Sport treibt oder körperlich schwer arbeitet, ist Zucker (Glukose) sehr wichtig für euren Körper. Euer Körper hat immer Glukose in Leber und Muskeln gespeichert, damit der Energielieferant für plötzliche Anstrengungen sofort zur Verfügung steht. Also: Weniger zuckerhaltige Lebensmittel essen? Ja. Ganz auf Zucker verzichten? Nein, geht auch nicht.

 

Diätlüge Nummer 7: Wer Sport treibt, nimmt garantiert ab

Treibt ihr Sport, verbrennt euer Körper Kalorien. Wer allerdings denkt, dass er ausschließlich mit Sport abnehmen kann, wird enttäuscht. Sport verbrennt nicht so viel Energie, wie viele denken. Eine halbe Stunde Joggen zum Beispiel schafft umgerechnet nur Platz für einen Schokoriegel. Am besten ist Ausdauersport, der verbrennt die meisten Kalorien. Jogging, Schwimmen, schnelles Radfahren, Fitnesstraining und Mannschaftssportarten sind sinnvoll. Aber auch dabei gilt: Damit ihr effektiv abnehmt, sollte euer Organismus mehr Energie verbrauchen als ihm zugeführt wird. Achtet also gleichzeitig auf eure Ernährung. Wenn ihr euch nach einer anstrengenden Sporteinheit mit einem fettigen Burger belohnt, ist nichts gewonnen.

 

Fazit:

Der Weg zum Traumgewicht ist also nicht so leicht, wie einem die obenstehenden Diätlügen vorgaukeln. Aber um erfolgreich abzunehmen, müssen es auch nicht gleich die Extrem-Diät oder das Power-Sport-Programm sein. Wer nachhaltig und gesund abnehmen will, sollte Bewegung mit einer gesunden und kalorienarmen Ernährung kombinieren.

Es gilt: Wer abnehmen will, muss mehr Kalorien verbrennen als er zu sich nimmt. Bewegt ihr euch viel und regelmäßig, erhöht ihr auch euren Kalorienverbrauch. Am besten kombiniert ihr Ausdauersport mit Krafttraining, ersteres stärkt Herz und Kreislauf, zweiteres vermehrt die Muskelmasse. Aber alles in Maßen, ihr müsst nicht sofort das volle Fitness-Programm im Studio absolvieren. Damit tut ihr eurem Körper keinen Gefallen, dieser muss sich erst einmal an die neue Belastung gewöhnen. Plant stattdessen den Sport in eurem Alltag ein: Fahrt mit dem Rad zur Schule, zur Uni oder zur Arbeit. Nehmt die Treppen statt den Aufzug. Und geht abends noch eine Runde spazieren oder joggen.

Aufgepasst: Je mehr Sport ihr treibt, desto mehr müsst ihr natürlich essen, weil der Mehrbedarf an Kalorien größer ist. Ein Breitensportler benötigt in etwa durchschnittlich 600 Kalorien mehr, ein Leistungssportler etwa 1.800 mehr. Wird mehr Energie verbraucht, ist die Auswahl der Lebensmittel umso entscheidender. Die Experten empfehlen einstimmig kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Nudeln oder Brot.

 

Der Körper wird in der Küche gemacht

Sport ist sinnvoll und Sport hält fit. Generell aber wird der Körper in der Küche gemacht. Wer mit Sport sein Gewissen beruhigt und sich danach den Teller richtig vollpackt, wird kein Gewicht verlieren. Der Verbrennungseffekt von Sport wird meistens überschätzt. Achtet also auf eine ausgewogene Ernährung. Vollkornprodukte sind ballaststoffreich, liefern viel Energie und machen lange satt. Obst und Gemüse als Beilagen oder als Zwischenmahlzeiten haben kaum Kalorien und sind vitaminreich. Kocht lieber frisch, denn Fertigprodukte sind häufig kalorienreich. Trinkt Wasser, das löscht den Durst, hat aber im Gegensatz zu süßen Limonaden keine Kalorien. Geht Kompromisse ein. Ihr wollte nicht auf Fastfood oder Schoki verzichten? Macht euch selbst mal einen Burger mit Salat, Gurken, Hähnchenfleisch und Vollkornbrötchen. Und wählt statt Vollmilch- etwa Zartbitterschokolade. Damit belohnt ihr euch und spart trotzdem einiges an Kalorien.

Ob ihr Gewicht verliert, hängt nicht von der Anzahl der Mahlzeiten am Tag ab, sondern davon, wie viel Energie ihr insgesamt am Tag aufnehmt und wieder verbraucht. Nehmt euch Zeit für das Essen, setzt euch für jede Mahlzeit hin. Nehmt euch erst eine kleine Portion und esst langsam. Das Sättigungsgefühl setzt nach 20 Minuten ein. Solltet ihr dann noch Hunger haben, ist eine zweite, kleinere Portion immer noch möglich.

Und ganz wichtig: Sorgt für Entspannung. Denn Stress macht nicht nur unglücklich, sondern verhindert auch gesundes Abnehmen. Das haben Forscher nachgewiesen. Lasst den Alltagsstress gezielt hinter euch und verhindert so ein „Frustessen“. Und sorgt dafür, dass ihr genug und gut schlaft. Wer müde ist, hat auch mehr Appetit auf Süßes.