Glutenfreiheit für Alle? Apr07

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Glutenfreiheit für Alle?

So vieles im Supermarkt ist inzwischen „glutenfrei“. Dann ist das doch bestimmt auch gesünder, denkt man spontan und greift zu. Aber: Stimmt das eigentlich? Sollten wir alle uns besser glutenfrei ernähren? Wir haben für euch diesen Trend genauer untersucht.

Was ist denn Gluten?
Gluten, auch Klebereiweiß genannt, ist ein Stoffgemisch aus Proteinen, das – ganz natürlich – im Samen einiger Arten von Getreide vorkommt. Ein toller Stoff für Teig zum Beispiel: In der Verbindung mit Wasser sorgt Gluten für eine gute Konsistenz und dafür, dass das Gebäck luftig und saftig ist. Gluten ist außerdem ein guter Geschmacksträger. Kurz: Gluten macht lecker!

Warum ist „glutenfrei“ so im Trend?
Eine gute Frage. Vielleicht waren der Grund Stars wie Miley Cyrus oder Gwyneth Paltrow, die eine glutenfreie Ernährung als neue Hollywood-Diät propagierten. Vielleicht ist es aber auch der Gedanke, dass, wenn die Lebensmittelhersteller schon so für „glutenfrei“ werben, das ja irgendwie auch besonders gesund sein muss. (Wahrscheinlicher liegt das aber doch nur am Milliardengeschäft mit dem Trend.)

Glutenfrei – gesünder oder nicht?
„Frei“ wirkt ja immer irgendwie gut, ist in diesem Fall aber leider nicht richtig: Denn viele glutenfreie Produkte (nicht die anderen Getreidesorten an sich!) enthalten eine Menge an Zusatzstoffen oder auch mehr Zucker und Fette – weil sie sonst eine eigentümliche Konsistenz haben oder einfach nicht schmecken, eben weil das Gluten fehlt.

Wer braucht denn glutenfreie Produkte?
Ganz einfach: Leute die unter bestimmten Krankheiten leiden, vor allem Menschen, die an einer Gluten-Unverträglichkeit leiden, siehe unten. Auch Leute, die eine Weizenallergie oder eine Weizensensitivität (auch „Nichtzöliakie-Nichtweizenallergie-Weizensensitivität“ genannt) haben, freuen sich, wenn sie einfach mal bedenkenlos etwas im Supermarkt kaufen können.

Gluten-Unverträglichkeit
Das Fachwort dafür ist „Zöliakie“. Und diese Krankheit hat mit einer Hollywood-Diät nun wirklich gar nichts gemein! Zum Hintergrund: Bei gesunden Menschen wird Nahrung im Dünndarm in ihre Bestandteile zerlegt und gelangt über die dortige Schleimhaut mit ihren Ausstülpungen (Zotten) in den Körper. Wer unter einer Zöliakie leidet, bei dem entzündet sich durch die Zufuhr von Gluten die Darmschleimhaut, die Zotten werden geschädigt und bilden sich im schlimmsten Fall zurück. Das ist dann wirklich dramatisch: Denn ohne die Ausstülpungen im Dünndarm ist die innere Oberfläche deutlich kleiner und Nährstoffe können nur noch in unzureichender Menge aufgenommen werden. Mangelerscheinungen sind bei Zöliakie-Erkrankten also keine Seltenheit. Dieser Nährstoffmangel kann dann wiederum eine ganze Reihe von Beschwerden mit sich bringen.

Wie stellt man eine Gluten-Unverträglichkeit fest?
Die Anzeichen sind uneinheitlich und können von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein. Klassische Symptome sind Gewichtsverlust oder Völlegefühl, Durchfall und Blähungen nach dem Verzehr von glutenhaltigem Essen. Aber die „Zöliakie“ – als Chamäleon unter den Verdauungserkrankungen – führt auch zu anderen, sehr unterschiedlichen Symptomen. Häufig ist ein nicht erklärbarer Eisenmangel beim Patienten das einzige Symptom, das auf eine Zöliakie hinweist.

Es gibt auch eine genetische Veranlagung: Wenn eines der Elternteile darunter leidet, haben Kinder eine höhere Wahrscheinlichkeit eine Zöliakie zu entwickeln. In Zahlen: In Deutschland haben zwischen 0,1 und 1 Prozent der Bevölkerung eine Gluten-Unverträglichkeit. Das ist also höchstens 1 Mensch von 100. Da jedoch die Symptome so uneinheitlich sind, liegt die Dunkelziffer (also die Anzahl der unerkannten Fälle) höher. Der Arzt stellt eine Zöliakie durch einen Bluttest (IgA-Antikörper im Blut) fest. Teilweise ist zusätzlich eine Biopsie der Darmschleimhaut notwendig. Dabei wird ein kleine Gewebeprobe aus dem Darm entnommen und untersucht.

Zöliakie – und nun?
Eine solche Diagnose ist häufig ein Schock, denn man muss seine Ernährung tatsächlich komplett umstellen. Das kann zunächst unglaublich deprimierend sein. Immerhin: Es gibt kein Vertun mehr. Man muss ab sofort „einfach“ auf alles verzichten, das Gluten enthält. Auf alles! Für immer! Beziehungsweise zumindest bis die Wissenschaft ein Medikament dagegen gefunden hat – das wird jedoch noch etwas dauern.

Wie macht man es Zöliakie- Patienten leichter?
Vor ein paar Jahren war es schwerer glutenfrei zu leben – diesbezüglich ist der Trend zur „Glutenfreiheit“ für Zöliakie-Patienten erfreulich. Aber: Dass „glutenfrei“ so hip ist, hat schwerwiegende Folgen für Menschen, die Gluten wirklich nicht vertragen. Denn wer heute zum Beispiel im Restaurant nach glutenfreien Speisen fragt, bekommt zwar ein Gericht. Weil Gluten im Essen aber für die meisten von uns kein wirkliches Problem ist, sind auch die Köche nicht mehr ganz so vorsichtig (siehe Web-Link auf www.bento.de). Unser Fazit: Glutenfrei nur wenn’s sein muss!

Glutenhaltig

  • Getreidesorten: Weizen, Roggen, Grünkern, Dinkel, Gerste, Hafer sowie verwandte Getreidearten und Urkornarten wie Khorasan-Weizen (Kamut®),Emmer und Einkorn. Hafer und Gerste haben allerdings einen geringeren Anteil an Gluten als die übrigen Getreidesorten.
  • Gluten kann aber auch in vielen Produkten versteckt sein: in gebundenen Soßen und Suppen, Pommes Frites, Wurst, Chips und vielen, vielen mehr. Denn: Gluten wird wegen seiner vielen Vorteile häufig bei der Herstellung von Fertigprodukten eingesetzt.
  • Der bei Vegetariern beliebte Fleischersatz Seitan ist reines Gluten.

Glutenfrei

  • Getreidesorten: Hirse, Mais, Reis und Teff (Zwerghirse)
  • Sogenannte Pseudogetreide: Buchweizen, Amaranth, Quinoa
  • Glutenfreie Getreidesorten bieten aber auch wichtige Mineralstoffe.

Wie sagt man denn nun? Gluten wie in „zehn“? Oder Gluten wie „bluten“?
Der Duden ist ganz eindeutig für die Betonung auf dem „e“, also Gluten mit langem „e“ wie in „zehn“ – in Anlehnung an die Aussprache von chemischen Verbindungen wie Ethylen. Und so wird es auch häufiger benutzt. Wer hingegen eher Gluten wie in „bluten“ sagt, also mit Betonung auf dem „u“, der liegt auch nicht ganz falsch: „Gluten“ stammt nämlich vom lateinischen „gluten“ für „Leim“ ab. Und das wiederum hat die Betonung auf dem „u“.

Oder doch „nur“ eine Allergie?
Ihr seid unsicher, ob es sich bei euren Beschwerden um eine Allergie handelt? Oder habt Fragen zu speziellen Allergie- und Therapieformen? Dann hilft auch die medizinische Gesundheitsberatung der VIACTIV weiter: 0800 1 405541 22090, 24 Stunden täglich, kostenlos aus dem deutschen Festnetz.
viactiv.de | Webcode: 1165

 

Web:

www.dzg-online.de
Website der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft e.V.
www.glutenfreiewelt.ch

Ernstes Thema, unterhaltsam erklärt:
Alle, die von Zöliakie betroffen sind, finden hier Antwort auf die Frage „Wie du ein smarter Zöli wirst“ www.bento.de/gefuehle/euer-antigluten-hype-nervt-wie-es-sich-anfuehltwenn-man-wirklich-kein-glutenvertraegt-11257