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Impfen – gut oder böse?

Erst vor kurzem grassierte wieder die Influenza und fegte nicht nur Schulklassen leer. Auch viele Erwachsene waren betroffen und durch Grippeviren tagelang außer Gefecht gesetzt. Die übliche Nebenwirkung: Ein Aufflammen der Impfdebatte. Egal ob Grippe, Masern oder Röteln – Impfgegner und -befürworter leisten sich seit Jahren einen unerbittlichen Kampf. Einiges dabei scheint Glaubenssache. Aber wer hat eigentlich die besseren Argumente?
Spielen wir die Diskussion doch mal durch, zumindest in den zentralen Punkten:

Stichwort „Kinderkrankheiten“ – die sollte man besser einmal durchmachen, oder?

Ganz so einfach ist es leider nicht: In der Tat heilen viele Infektionen ohne weitere Folgen aus. Manche der sogenannten „Kinderkrankheiten“ (die man übrigens auch als Erwachsener bekommen kann), zum Beispiel die Masern, können jedoch sehr gefährlich werden. Ungefähr eins von 1.000 Kindern, die an Masern erkranken, erleidet laut Robert-Koch-Institut eine Entzündung des Gehirns. Diese Erkrankung, auch Masern-Enzephalitis genannt, führt oft zu bleibenden Hirnschäden oder endet sogar tödlich. Erst im Februar 2015 verstarb in der Berliner Charité ein 18 Monate alter Junge – zwar nicht direkt an den Masern, aber an einer Vorerkrankung, die ohne die zusätzliche Virusinfektion nicht tödlich verlaufen wäre.

 

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Krankheiten sind wichtig für den Aufbau eines starken Immunsystems, oder?

Viele Impfgegner sind der Meinung, dass es gesünder sei, Infektionskrankheiten „natürlich“ zu durchleben. Tatsächlich aber gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass sich zum Beispiel nicht geimpfte Kinder körperlich oder geistig besser entwickeln als geimpfte. Das wäre auch nicht gerade logisch: Unser Körper muss sich täglich mit hunderten von Erregern herumschlagen. Die aktuell empfohlenen Schutzimpfungen betreffen jedoch nur rund ein Dutzend wirklich gefährlicher Erreger. Warum also sollten geimpfte Kinder (und Erwachsene) eine schlechtere Konstitution haben? Auch die Körper von Geimpften trainieren ihre „gesunde Reaktionsfähigkeit“ – die von Impfkritikern immer wieder gefordert wird. Zudem sorgt auch die Impfung selbst für ein Training des Immunsystems.

 

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Impfungen sind für manche Menschen schädlich, oder?

Ja, zum Beispiel für Personen, die eine Chemotherapie durchlaufen. Oder solche, die unter einer Autoimmunerkrankung leiden. Dabei richtet sich das menschliche Abwehrsystem gegen körpereigenes Gewebe. Die Erkrankten müssen daher mit ihrem Arzt sorgfältig abwägen: Wird die Impfung meine Beschwerden verschlimmern, weil sie mein erkranktes Immunsystem aktiviert – oder werden die Folgen schlimmer sein, wenn ich die Krankheit bekomme, gegen die ich nicht geimpft bin und mein Immunsystem dann „überaktiv“ wird? Oft ist beides gleichermaßen schlecht! Daher ist es besonders wichtig, dass alle anderen geimpft sind („Herdenimmunität“) und die genannten Personen sich gar nicht mehr anstecken können.

Fazit – oder: Was soll ich tun?

Impfen ist also letztlich nicht nur eine Frage von „gut oder böse“, sondern vor allem auch von „Privatsache oder Verantwortung für andere“. Wir plädieren dabei eindeutig für Solidarität mit allen, die sich nicht impfen lassen können, weil sie bereits schwer krank sind – und gegen so manche „Verschwörungstheorie“ der Impfgegner. Lasst euch nicht von ihrer Vehemenz irritieren und anstecken!

Das empfehlen wir übrigens auch Vegetariern und Veganern, die sich nicht impfen lassen, weil dies ihrer Lebenseinstellung widerspricht. Denn: Wer sich ansteckt, weil er keinen Impfschutz hat, braucht später eventuell Medikamente, die ebenfalls tierische Inhaltsstoffe enthalten oder mit Tierversuchen verbunden waren. Also, auch im Sinne der Tierliebe: Besser impfen!

Mehr Infos rund ums Impfen gibt’s hier:
www.rki.de
www.impfen-info.de